Eine spannende Woche

Wow, die vergangene Woche war voller Erfahrungen!
Doch von vorne: Vorletztes Wochenende habe ich zuhause verbracht – ganz gemütlich möchte man meinen. Doch das heißt suuuuper viel Arbeit wartet. Eine der Sachen, die ich hier wirklich richtig vermisse, ist das Ausschlafen. Wenn man um halb sieben an einem SAMSTAG mit den Worten „Han du verschläfst“ geweckt wird, wünscht man sich einfach nur nochmal umdrehen!

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Sugarcane essen

Meine Familie ist nun wirklich meine Familie. Wir haben sehr viel Spaß miteinander und alles spielt sich ein. Das Einzige was mir sehr gegen den Strich geht, ist das ich nun öfter als gedacht, ansehen muss, wie meine Mutter ihre Kinder schlägt. Einmal hatte Marion sogar einen angeschwollenen Unterarm.
Ansonsten kann ich aber kaum noch einen Unterschied unter uns Geschwistern sehen. Bis auf das mir vieles noch gezeigt werden muss. Denn jeden Tag stehen neue Aufgaben an, es wird nie langweilig. Von immer wieder gleichen Tätigkeiten wie Waschen, Wasser holen, Feuerholz hacken und Tiere versorgen über Gartenarbeit, die täglich anders aussieht! Diesmal stand das Pflanzen für Braunen Ugali an, sowie das komplette Umgraben und Unkraut zupfen eines großen Feldes an. So anstrengend wie alles ist, so sehr macht es aber auch Spaß. Da wir zusammen lachen, quatschen und das in toller Sommerhitze (ja, auch nachwievor liebe ich es !!!)

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was fuer  ein herrliches Bild

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aber so leicht, wie es aussieht, ist es nicht 😀

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die Axt schwingen

Nach dem ganzen Geschwitze tat dann eine Abkühlung im Fluss richtig gut. Zwar waren Marion und ich nachm Baden schmutziger als vorher, aber sich mal wieder im Wasser zu erfrischen war herrlich.


Marion beim Tauchen lernen

Außerdem haben wir einen Duschplatz gebaut. Nun hat man etwas Sichtschutz und steht auf Steinen anstatt im Matsch. Am Samstagabend kam dann wie jede Woche Melanie zu uns und wir haben einen sehr schönen Abend verlebt 🙂


neues Badezimmer

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Chapati machen

Sonntag bin ich dann nach Kisii Town aufgebrochen, die nächste Stadt, etwa 1,5 Stunden mit dem Matatu entfernt. Dort habe ich mir ein paar Stunden ganz für mich alleine gegönnt. Zuerst mussten ein paar Dinge für den bevorstehenden Geburtstag und für mich besorgt werden, wie neue Sportschuhe (meine Alten waren durch den Untergrund so zerpflückt). Dann habe ich mich in ein nettes Café gesetzt und mit einem leckeren Essen die Sonne und „Ruhe“ genossen. Bei der Motorradfahrt nach Hause am Nachmittag kam mir die Blitzidee, ob ich das nicht auch lernen kann. Also nachgefragt und null problemo. Montag war kenianischer Feiertag (konnte mir keiner so richtig erklären, was befeiert wird), das heißt FREI und Zeit für eine kleine Lehrstunde mit Amos. Amos ist ein guter Freund von mir – auch wenn Freundschaften mit Männern hier echt schwer sind – so will auch er mich heiraten (alleinerziehender Vater). Aber das ganze haben wir geklärt.
So sind wir am Montag auf ein Feld in Manga Down gefahren und er hat mich kurz ins Motorrad eingeweiht – also habe ich da für eine knappe Stunde meine Runden gedreht.


erste Fahrstunde aufm Feld

Beim nächsten Training am darauffolgenden Tag meinte Amos ich solle doch einfach direkt auf der Straße üben – also bin ich zwei Stunden durch die Gegend gecruist und das nach einer Trainingsstunde für 5 Euro!
Seitdem mache ich die Straßen unsicher und genieße es aus vollen Zügen. Schon immer fand ich das Gefühl der brausenden Luft toll – habe mich von Freunden fahren lassen und Kilian um seinen baldigen Motorrad-Führerschein beneidet. Doch hier nun auf eigene Faust zu cruisen , ist das beste Gefühl überhaupt. Zumal es mir wahrscheinlich mehr Spaß macht, als es das in Dtld machen würde: bei Sommersonne, unübertrefflicher Landschaft und herausfordernden Strecken über Stock und Stein (im wahrsten Sinne des Wortes). Dabei muss ich aber immer drauf achten, mit wessen Motorrad ich fahre, nicht alle haben Hupe, Seitenspiegel oder gut funktionierende Bremsen, Helme werden sowieso überbewertet. Und dabei muss man nichtmal Regeln beachten, denn es gibt weder Ampeln, Schilder oder Geschwindigkeitsbegrenzungen – lediglich bei Gegenverkehr sollte man auf der LINKEN Seite fahren und bei Kühen und spielenden Kindern Vorsicht gewähren. So überholte mich eines Tages ein Auto und ein netter Mann ruft raus „Mazungo, du fährst sehr gut“ und ich erwidere auch noch „ja, ist erst meine dritte Fahrt“ – „Na dann viel Vergnügen weiterhin“. Mir ist fast das Herz in die Hose gerutscht, als ich dann von hinten sehe, dass es ein Polizeiwagen war. Aber auf die Frage, ob man denn gar keine Fahrerlaubnis braucht, meinte Mike (ein anderer guter Freund) nur „Jo eigentlich schon. Aber das interessiert hier keinen – solange du keinen Unfall baust, kannst du machen, was du willst“ 😀

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Das Ganze verbreitete sich auch sehr schnell unter den Menschen hier, sodass Madame Hannah und ihre Fahrkünste nun Dorfgespräch Nummer Eins sind. Eine Frau, dazu noch eine Weiße, die Motorrad fährt … das grenzt an Unmöglichkeit! Seitdem kriegt Melanie pausenlos Anfragen, ob sie nicht auch das Fahren gelehrt bekommen möchte! 🙂

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eine der GUTEN Strassen

Ansonsten verliefen die nächsten Tage etwas chaotisch. Phillis (Gastmutter von Melanie) hat vor wenigen Wochen ihre Krankenschwester-Prüfung bestanden und am Montag hier in Manga angefangen zu arbeiten. Das heißt Organisieren, organisieren, organisieren. Denn nun ist sie von 8 Uhr morgens bis frühen Abend in der Klinik und Baby Angela mit Melanie zuhause. So habe ich einige meiner Stunden mit anderen Lehrern tauschen oder verschieben können (ein super Kraftakt, hat meine Abneigung gegen manche nicht gerade gelindert), sodass immer jemand zuhause ist, gerade wenn Melanie ihre Unterrichtsstunden hat. Das heißt, ich bin in meinen Freistunden, nach der Schule und auch in der Mittagspause nun bei ihr, um sie zu unterstützen. Das macht echt viel Spaß, wir kochen zusammen und erledigen die Hausarbeit. Auch wenn es noch echt viel Umstellung ist – gerade für Angie. Sie raubt uns im Moment den Nerv, da sie viel meckert und schreit. Sie hat nun nicht nur die Umstellung von TV zu kein-TV zu meistern, sondern es fallen auch über fünf Stillmahlzeiten der Mutter am Tag aus, die wir nicht ersetzen können. Doch es wird sich einspielen 🙂

September Kenia (93)
nachm Baden des kleinen Michelin-Maennchen`s 🙂

Oktober (398)
Abigell – eine sehr gute Freundin

September Kenia (119)
TIGER ANGIE! (Stop)

Oktober (355)
Bitte laecheln!

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Mut zur Haesslichkeit

Am Donnerstag bin ich mit Mum Jacky und Marion zu ihrem Heimatdorf aufgebrochen zu einer Beerdigung. Die Fahrt war mehr als abenteuerlich, ich lag zweimal komplett im Dreck und das Auto meines Onkels ist im Matsch steckengeblieben.
Jacky`s Cousin ist vergangene Woche an schwerem Verlauf von Malaria und daraus folgenden Schwächungen von Organen verstorben. Eine kenianische Beerdigung mitzuerleben, war eine crasse Erfahrung, aber auch eine sehr unangenehme. So wurde ich gefragt, ob ich Fotos und Videos machen kann – das habe ich zuerst abgelehnt, dem aber nach Anfrage der Mutter des Verstorbenen zugestimmt. In Kenia ist es ganz normal, einen Fotografen zu angagieren, um sich später Bilder vom Toten und seiner Begrabung an die Wand zu hängen (ja das wird wirklich gemacht!). Auch wenn echt jeder mit Handy Schnappschüsse um mich rum gemacht hat, habe ich mich unwohler denn je gefühlt. Das war wohl meine größte fotografische Herausforderung bisher, denn es ist in meinen Augen absolut nicht respektvoll gegenüber dem Verstorbenen (weshalb ich auch hier keine Bilder von ihm oder weinenden Personen zeige!). Denn ein weiterer riesiger Unterschied – man kann den Toten sehen! Der Sarg ist oben offen und eine Glasscheibe lässt direkte Sicht frei. Gleichzeitig mein erstes Mal, dass ich einen Toten gesehen habe.

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Bekannte betrachten den Leichnam

Eine andere Sache, die sehr angsteinflößend für mich war: Es wird nicht geweint in dem Sinne, wie wir es kennen. Es wird der Schmerz rausgeschrieen. Schon von Weitem hört man Menschen um ihr Leben brüllen und fluchen, zum Teil den Verstorbenen beleidigen, für sein frühes Gehen. Nachdem auch meine Familie (habe bei der Gelegnheit alle möglichen Familienmitglieder kennengelernt) ihren Schmerz rausgelassen hat, sind wir auf eine große Wiese gegangen, wo über den Toten gesprochen und für ihn gebetet wird. Dabei geht es mehr darum, sein Leben nochmal zu würdigen und nicht seinen Tod zu betrauern, dh es wird viel gefeiert, gesungen und gelacht. Das Ganze zieht sich von 8 Uhr morgens bis 16 Uhr hin, ehe dann der Leichnam direkt neben seinem Haus begraben wird – das dauert widerum nur zehn Minuten. Mein „Großcousin“ hinterlässt drei kleine Kinder und zwei Frauen – zur Beerdigung sind hunderte Menschen gekommen. Eine definitiv heftige Erfahrung, die ich erstmal verdauen musste.

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rechts unten wurde spaeter gross `gefeiert`, die ganze Wiese war voller Menschen

 

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darunter auch komische Leute wie der Mann rechts

 

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vier meiner kleinen Cousinen und Cousins

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mein kenianischer Grossvater mit den beiden Jungs

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meine neugeborene Cousine Marion

Am Samstag sind wir dann wieder nach Hause, wo dann Melanie und Romina (aus Dtld) eingetrudelt sind, um am Sonntag mit mir den Geburtstag von Agnes und Brian zu feiern! Beide wurden 18 – Agnes ist ja nicht die leibliche Tochter, sondern kam als kleines Kind in die Familie, da ihre Eltern verstorben sind. Sie kann sich nur noch erinnern, dass sie Ende Oktober geboren wurde – also haben wir die Geburtstage einfach zusammengelegt : )

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man sieht – Kenianer und Freiwillige haben eine verschiedene Vorstellung von `superlustiges Gesiiiicht`
Geburtstag ist hier auch nochmal so ne Geschichte. Gefeiert in dem Sinne wird es gar nicht, es gibt höchstens etwas Besondereres zu essen. Geld für Geschenke ist nicht vorhanden. Also habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, um den Geburtstag zu etwas Besonderem zu machen. Also habe ich mit Romina´s und Melanie´s Hilfe den Raum mit Luftballons und Bonbons verteilt, es gab Kekse und Kuchen. Kerzen brannten und beide hatten diese auszupusten (das mit dem sich was wünschen haben sie nicht so ganz verstanden :D).

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die Ueberraschung war gross

Auch hatte ich für beide einen kleinen Gruß – Agnes bekam einen neuen Rock und Brian hat sich an einer großen Wasserpistole erfreut. Dies war der Segen des Tages, denn es war unglaublich heiß am Sonntag – und damit meine ich wirklich richtig heiß, man ist dahingeschmolzen ohne was zu machen, da war das kalte Wasser ein Himmelsruf.

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Der Geburtstag war rundum gelungen. Zwar ging die Arbeit seinen Gang wie immer, aber wir haben das beste Mittagessen überhaupt gehabt – Reis, Kartoffeln, Bohnen und Chapati!!! Brian hat zudem von einem Freund ein Motorrad geliehen bekommen und wir sind einfach nur durch die Gegend gecruist.

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Später haben wir dann noch mit Wein und Cola angestoßen. Ich glaube die beiden haben den Tag sehr genoßen, wir drei (Romina, Melanie und ich) haben es allemal!

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Mal kurz als Anmerkung, weil ihr mich manchmal eine Muetze tragen seht. Am Anfang habe ich mich immer gefragt, warum so viele bei den Temperaturen ihren Kopf waermen muessen. Nun, inzwischen trage ich selbst eine und zwar aus dem einfachen Grund der starken Sonne. Man schwitzt nicht wirklich mehr als ohne, aber es schuetzt die Kopfhaut vor Verbrennungen und ich habe deutlich weniger Kopfschmerzen. 🙂

Also ihr seht, man kann sehr viel in 8 Tagen erleben 😀 Nun wird es aber erstmal wieder etwas ruhiger und alltäglicher. Gestern kam ein Päckchen von meiner lieben Freundin Kristin an und für Melanie eins von ihren Eltern – nun sind wir mit Süßigkeiten gewappnet (zumindest für die nächste Woche :D). Danke!


Auch vielen Dank an alle meine Freunde, Familie, Verwandten und Bekannten für das viele Schreiben (auf welchem Wege auch immer). Mami erzählt immer, wieviele aus der Gemeinde und im Cottbusser Umkreis sich bei ihr erkundigen und nach mir fragen, „selbst der Seniorenkreis hängt an Vatis Lippen und wartet auf neue Infos“. Meine Eltern kommen ja kaum noch hinterher mit dem Drucken, so viele wollen meinen Einträgen folgen 😀
Ich danke euch allen so sehr für das viele an mich Denken. Vor Abreise hatte ich ehrlich gesagt, gar nicht soooo eine Lust, einen Blog zu schreiben.
ABER ich kriege so unglaublich viel positive Rückmeldung – mir macht es mehr als nur Spaß, euch von all meinen Erfahrungen zu erzählen und meine Bilder mit euch zu teilen! Jede Rückmeldung macht mir Mut, mich glücklich und bestätigt mich in der Richtigkeit und Wahrhaftigkeit meines Traumes Kenia! Danke!
Und noch eine letzte kleine Sache: Ich habe eine Anfrage bekommen, ob ich nichtmal einen extra Artikel nur über Geld in Kenia machen kann – wieviel kostet was, wie wird bezahlt etc.
Ja, das werde ich demnächst machen. Ich kann viele Dinge meist nur anreißen, da es sonst den Rahmen sprengen würde. Aber wenn ihr mehr Details über ein bestimmtes Thema, wie beispielsweise Transportmittel, Essen, Familienführung, Verhältnis Mann Frau, Tiere usw., wissen wollt … so lasst es mich einfach wissen – gerne mache ich dazu einen extra Eintrag mit genaueren Informationen.
Fühlt euch frei zu fragen, über Kommentare, Mail (hannahaegerter@gmx.de) oder eine Nachricht.

In diesem Sinne – ich wünsche euch herrliche Herbsttage und mehr Süßes als Saures 😉
Seid gedrückt und gegrüßt, Hannah

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mit Marion wird taeglich getanzt

P.S. … Soeben habe ich erfahren, dass die Ferien zwei Wochen eher als gedacht anfangen, das heisst noch drei Wochen arbeiten und dann Sommerferien 🙂
JUCHHU!!!

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mit ungefaehr diesem Blick habe ich die Info aufgenommen 😀 Hach Melanie! 😉

7 Kommentare


  1. Krass!!!
    Du hast eine tolle Art zu schreiben. Bitte mach weiter so und lass uns alle teilhaben, an dem was dir täglich begegnet!
    Gott segne dich und alle um dich herum!
    Liebe Grüße aus dem 12 Grad warmen, herbstlichen Kölzig
    Claudia und Familie

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    1. Danke dir fuer die lieben Zeilen! Nun gab es ja schon den ersten Schnee bei euch, was fuer eine andere Welt!
      Ganz liebe Gruesse aus dem 32 Grad warmen Manga

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  2. Eva: Ich grüße dich und deine neue Familie.
    Danke für die vielen tollen Fotos.

    Anna: Das hört sich ganz schön abenteuerlich an.
    Die Bilder sind toll.
    Viel Spaß noch. : )

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    1. Danke ihr drei Lieben. Wie toll, dass ihr mit euren Eltern mein Abenteuer so aktiv verfolgt. Habt ihr schon die Fisur mit den langen Haaren gesehen. Crass oder? Kann ich euch ja naechstes Jahr mal flecten 😉

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  3. Das hört sich echt cool an.
    Wir gucken uns die Fotos immer gern an.
    Da kann man sich echt gut vorstellen wie du jetzt lebst.

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  4. Hallo, Hannah, bin jetzt erst dazu gekommen, wieder einmal deinen Bericht zu lesen. Toll, wie du schreibst und was du uns von Kenia berichten kannst. Wir freuen uns , dass es dir so gut gefällt und du zum Experten in punkto „Afrikabekanntschaft “ wirst.
    Dieter hat zu seinem Geburtstag keine Blumen haben wollen und einen Teil des dafür gesammelten Geldes wollen wir dir auf dein Konto überweisen. Also dann gibt es vielleicht noch ein Paar Schuhe mehr. Wir haben viele Massai mit Gummireifen an den Füßen damals gesehen. Ja, Schuhe sind schon ´ne gute Idee.
    Liebe Grüße und schreib schön weiter. Bleibe behütet Dieter und Annette

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    1. Ich danke euch tausendfach fuer die Spende!
      Danke fuer eure lieben Zeilen.
      Bleibt behuetet und geniesst die Adventszeit!
      Seid gedrueckt, Hannah

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