die vergangenen Wochen

Hey meine Liebsten,
lange habe ich mich nicht mehr gemeldet. Irgendwie fehlte mir die letzten Wochen der Elan, etwas zu schreiben. Außerdem ist ohnehin nicht so viel passiert im Vergleich zu sonst.
Also wo war ich stehen geblieben – Mount Kenya fiel aus und ich bin nach Uganda gefahren. Soweit so gut. In Uganda habe ich dann mehrere Tage verbracht und in diesem tollen Waisenheim (von dem ich im letzten Blogeintrag erzählte) für eine Woche gearbeitet. Ich fragte einfach spontan nach und die Erzieher haben sich sehr über die angebotene Hilfe gefreut. So habe ich täglich 7-9 Stunden Windeln gewechselt, Flasche gegeben, die Babys gebadet und mit den Kleinkindern gespielt. Es hat mir unglaublich Spaß gemacht. Dort hätte ich gerne noch länger gearbeitet!

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Ansonsten habe ich alleine im Hotel rumgehangen oder bin die Stadt erkunden gegangen. Ich habe Kampala richtig lieben gelernt. Ich besuchte einen schönen Tempel etwas außerhalb der Stadt. Das Gotteshaus hat mich sehr beeindruckt!

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Das Highlight der Tage war ein Festival, auf dass ich ganz zufällig gestoßen war. Uganda´s größtes Tanzfestival 2015 im Nationaltheater in Kampala. Der Eintritt fürs ganze Wochenende war nur 6 Euro und von Freitag bis Sonntag war abends tolles Programm. Ich hatte Gänsehaut. Ich habe wirklich noch nie so tolle und bewegende Tänze gesehen. Dabei war alles durcheinander gemischt, von Tango über Breakdance bishin zu Tanzgeschichten. Wie man mit Bewegungen ganze Storys erzählen kann – beeindruckend! Am besten fand ich eine Tanzgruppe aus Kenia, die mit Robotertänzen die Politik kritisiert haben und eine andere Gruppe, die auf die Homophobie in Uganda aufmerksam macht (dort herrscht Todesstrafe!). Hab das bisschen Kultur mal wieder richtig genossen!

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Dann habe ich mich mit Kevin und Amelie in Kampala getroffen. Beide kamen gerade wieder aus Ruanda und sie fragten mich, ob ich noch ein paar Tage mit ihnen mitkommen mag. Also sind wir spontan nach Jinja, der Stadt am Nil, gefahren. Dort hatte Kevin Connections zu einem deutschen Freiwilligen, wo wir schlafen durften. Wir hatten dort eine sehr schöne Zeit mit tollen Leuten, haben uns selbst bekocht und ein kühles Bierchen am Nil geschlürft.

Dann sind wir nach Kisumu (Kenia) und haben auch dort bei deutschen Freiwilligen einen Schlafplatz abgefangen. In diesen Tagen wurde mir mal wieder bewusst, wie crass anders wir Freiwilligen so untergebracht sind. Dass ich schon echt extrem ländlich untergebracht bin, war mir klar. Aber die Volunteere, die wir die Tage kennenlernten, leben wie die Maus im Speck. Ein ganzes Haus für nur zwei Personen, Dusche und Toilette, Strom, Küche mit Herd und allem. Ich habe mich wie im Sommerurlaub gefühlt, als ich in deren Hängematte döste und gerade von einer Fahrradtour wiederkehrte. Kam ich also doch nochmal zum Fahrradfahren in Kenia 🙂

Auch hier gabs wieder ein Highlight! Kisumu liegt ja direkt am Lake Victoria und so haben wir uns einen Tag Motorräder ausgeliehen und sind am Strand langgecruist. Das ist ein Stück kenianische Freiheit – bei herrlichen Temperaturen und ohne Führerschein einfach durchs Nix fahren!

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Messer schleifen

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Ja und dann begann wieder die Schule. Und da es meine letzten Wochen waren und sind, habe ich mich nochmal richtig reingehangen und noch einige Aktionen gemacht und geplant. Doch dazu werde ich einen extra Artikel schreiben, wenn ich alles umgesetzt habe.
Warum sage ich die letzten Wochen … weil ich nun doch endgültig nach Hause gehen werde.
Auch wenn das auf meinem Blog oft immer alles so supidupi toll klingt, so steckt da eigentlich natürlich noch viel mehr hinter. Seit ich im Februar so schwer krank war und dann nach Deutschland bin, geht es mir hier echt nicht mehr gut. Ich dachte, ich würde psychisch nochmal richtig Kraft tanken und ordentlich durchstarten. In Manga bleiben ist ja schon lange keine Alternative mehr für mich, ich werde hier einfach nur krank. Ein Projektwechsel sollte daher nochmal ein kleiner Neuanfang werden. Doch leider kann ich wieder kein gutes Wort über die kenianische Organisation ICYE verlieren, denn unsere Chefin kümmert sich gar nicht. Ich redete vor sechs Wochen bereits mit ihr und vermittelte Kerubo, dass ich woanders hin muss! Bis zum heutigen Zeitpunkt hat sie noch nichtmal im geplanten Projekt nachgefragt oder sich anderweitig gekümmert. Hinzu kommt, dass mein eigentlicher Plan der Abreise nicht mehr hinhaut. Geplant war ja von Anfang an, dass ich Mitte Juli wiederkomme, also kurz bevor die kompletten 12 Monate um sind. Ich dachte, das wäre so einfach möglich. Aber damit hatte ich mich geirrt. Entweder ich bleibe bis ganz zum Schluss oder ich breche ab. Es ist für mich aber schlichtweg nicht möglich, bis zum 8. August in Kenia zu bleiben. Denn dann müsste ich innerhalb von drei Wochen Bewerbungsgespräche führen, eine Ausbildung bekommen, umziehen und vorallem erstmal ANKOMMEN! Da ich das nicht schaffe, muss ich abbrechen. Und da sich wie gesagt wegen dem Projektwechsel auch nichts tut und ich nicht noch weitere 11 Wochen in Manga bleiben kann, werde ich am 23. Mai in den Flieger nach Hause steigen. Ich merke einfach, dass meine Kraft vorbei ist und da wir in meiner Familie auch noch ein lieber Mensch von uns gegangen ist, habe ich auch das starke Gefühl, lieber zuhause sein zu wollen.
Ich sehe das Ganze auch nichtmal so verbissen als Abbruch, denn ich gehe eigentlich nur zwei Monate eher als normal. 10 Monate in einem so fremden Land mit so einer anderen Kultur – ich bin stolz darauf, es bis hierhin geschafft zu haben 🙂

Und ich freue mich darauf, euch alle wiederzusehen!
Doch bis dahin werde ich noch so einiges machen, vorallem in der Schule. Also die nächsten Wochen dürft ihr noch auf tolle Einträge gespannt sein.
Ganz liebe Grüße an die Menschen im nahenden Sommer,
Hannah

3 Kommentare


  1. Hallo Schwesterherz!
    Das Wichtigste ist, dass du mit deiner Leistung zufrieden und stolz bist. Es kommt nicht darauf an ob du ein ganzes Jahr schaffst und es ist egal ob andere sagen sie hätten es länger durchgehalten. Denn so wie du zurzeit lebst hat wohl noch keiner von uns gelebt und du hast meinen größten Respekt, dass du überhaupt zurückgekehrt bist.
    Ich sitze hier übrigens gerade in einer Tischtennishalle im Süden Neuseelands und merke keinen Unterschied zu Deutschland. Wirklich gar keinen! Also genieße deine letzte Zeit in der anderen Kultur, am Ende ist es schneller vorbei als du denkst.
    Damit liebe Grüße von deinem Bruder.

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  2. Schwesterherz, ich kann mich Arvids Kommentar nur anschließen. Ich kenne niemanden, der unter diesen Umständen, wie du die vergangenen 10 Monate gelebt hast, auch nur ansatzweise so lange durchhalten würde. Wie du selber schreibst, andere Volunteers leben wie die Mäuse im Speck und dann lässt es sich sicherlich besser (über)leben. Wir sind so stolz auf dich und deine Projekte. Quatschen und urteilen kann man viel, aber du zeigst uns hier seit 10 Monaten in Bild und Wort, wie du das Land und die Nachbarländer erlebst und wie deine tollen Ideen und Aktionen ankommen, und das soll dir erstmal jemand nachmachen. Meinen vollen Respekt hast du und die Gründe dafür, früher nach Hause zurückzukehren, sind absolut nachvollziehbar.
    LG aus Berlin

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  3. Da kann ich mich Deinen Brüdern nur anschließen.
    Ich freue mich, wenn Du diese Woche wiederkommst.
    Vielleicht schaue ich am Wochenende nach dem Spätdienst einfach mal vorbei. Theoretisch schaffst Du mit Deiner frühen Rückkehr sogar den großen Tanzauftritt Deiner Patentochter am 30. Mai.

    Bis ganz bald
    Guten Flug
    Dein Stephan

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