Mein Zuhause in Kenia

Vorweg das Wichtigste: Ich bin gut in der Gastfamilie angekommen und bin gesund und munter!

Nach ein paar letzten Erledigungen und einen Besuch in einem traditionellen Museum mit den anderen Freiwilligen, neigte sich das Camp dem Ende zu. Am letzten Abend hat jeder typische Speisen aus seinem Land gekocht und die Gasteltern kamen zu einem Willkommens-Dinner.
Wir sind in Kenia und deswegen kann sich bis zur letzten Sekunde alles noch ändern. So bin ich weder mit Julia aus Finnland in einem Projekt, noch lebe ich in Kisii. Ich lebe im Dorf Mangá und im selben Ort wohnt Melanie aus den USA, die aber nicht mit mir arbeiten wird.

Am nächsten Tag holte mich meine Gastmutter Jacky von der Bussstation ab und wir sind für einen Tag länger in Nairobi geblieben bei ihrer Schwester und Familie. Das heißt: Ich habe mit gefühlten dreißig Menschen in einem Raum geschlafen und ich habe keine Ahnung wer mit wem verwandt ist 😀 Mein Gastvater Steve ist „Geschäftsmann “ in Nairobi, weshalb er nur selten zuhause ist. Sein Shop ist jedoch mit nichts in Dtld zu vergleichen, schuhkartonmäßig 🙂

Am Sonntag ging es dann los, 8 Stunden Busfahrt nach Mangá!
Ich habe eine nette Familie. Ich habe drei Schwester, die Älteste heißt Yvonne. Sie geht auf eine weit entfernte Schule, sodass ich mich leider erstmal für eine längere Zeit verabschieden musste. Dann noch Agnes und die kleine Marion, 9 Jahre alt, sowie mein Bruder Brian. Sheila, eine Cousine, wohnt ebenfalls mit unterm Dach.

Die ersten Tage fallen mir schwerer als gedacht. Zuviel ist neu und alles ist anders! Wie heißt es so schön: Manchmal hilft jedes Wissen und Hören nichts, man muss erfahren!

Ich lebe im Dorf Mangá, ca. in der Mitte von garnix. So bin ich 45 min Motorradfahrt von der nächsten Busstation entfernt. Wir leben in einem kleinen Lehmhaus mit Wellblechdach, kein fließend Wasser oder Strom. Die Toilette ist ein kleines Loch im Boden. Das Haus ist etwas größer als mein Zimmer, aufgeteilt auf drei Räume, dass wir zu siebt bewohnen. Meine Gastfamilie ist sehr arm. Fast alles was auf den Tisch kommt, ist von den eigenen Feldern. So lerne ich hier viel vom Farmerleben z.B. wie man Bohnen erntet und sie ausschlägt.
Gekocht wird überm Feuer, meistens nur einmal am Abend. Gegessen wird immer mit den Fingern, aber daran gewöhnt man sich schnell. Schneller als ans Essen. Es gibt eigentlich immer Ugali – das wohl beliebteste afrikanische Essen. Doch ich komme noch nicht ran, mir schmeckt es nicht besonders. Dazu meistens Spinat, Bohnen (mjam, die schmecken richtig gut) oder ja wir würden sagen Unkraut. An dieser Stelle sorry an meine Hasen, dass ihr das Grünzeug immer essen müsst 😀

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unser Haus, rechts die „küche“ und der Kuhstall

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Ugali essen

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meine Gastmutter Jacky mit den Schwestern Yvonne und Marion

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Marion und mein Bruder Brian

Die Kommunikation ist nicht einfach, meine Familie bemüht sich inzwischen mit mir Englisch zu sprechen. Aber in der Regel wird Kiswahili und Kisii gesprochen und das durcheinander. So fühlt man sich oft als Außenseiter, da man an den Gesprächen im Dorf nicht teilhaben kann, doch daran sollte man sich gewöhnen. Mein erster Gottesdienst-Besuch war sehr überraschend. Ich musste mich der ganzen Gemeinde vorstellen und der Gottesdienst dauert hier an die fünf, sechs Stunden!

Ansonsten muss man sich an sehr vieles gewöhnen, aber es ist möglich. So schlafe ich direkt neben den Kühen, geduscht wird mit einer Schüssel kaltem Wasser im Matsch. Die Tiere sind überall und damit meine ich auch überall. So kann es schonmal passieren, dass sich eine Maus im Mosquitonetz verfängt oder ich in der Frühe aufwache, weil ein Huhn unter meinem Bett ein Ei legen möchte 😀
Außerdem ist es überall sehr dreckig, der Matsch wird im ganzen Haus verteilt. Gummistiefel sind meine nächste Anschaffung!
Aber ich habe viele lustige und tolle Momente in meiner Familie. So lachen wir uns scheckig, wenn ich im Schlamm ausrutsche (direkt nachdem ich „geduscht“ habe), als ich probiert habe einen riesigen Kanister Wasser auf dem Kopf zu transportieren oder meine Familie dasWort „Tschüß“ nicht sagen kann. Habt ihr jemals eine Zuckerpflanze gegessen? Also wir Deutschen haben definitiv nicht Zähne, die stark genug sind. Es schmeckt super gut. Aber es ist in etwa so, als ob du das Innere eines Baumes essen willst und erst die Rinde abbeißen musst. 😀 Ich werde von meiner Familie meistens Han genannt, quasi ein Spitzname für Hannah. Hier ist es außerdem üblich, einen kisii´schen Namen zu bekommen, anhand seiner Eigenschaften. So sehe ich es als Kompliment die Übersetzung von „happy person“ als Namen zu tragen!

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Kochen mit Feuer

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mein Raum

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Marion und ich

Melanie aus den USA wohnt ebenfalls in meinem Dorf, sie lebt jedoch sehr anders mit Strom, Duschraum und TV. Ich besuche sie täglich, sodass ihre Familie inzwischen meine zweite kenianische Familie ist. So habe ich zusätzlich noch eine kleine Babyschwester Angela, sie ist so süß *-* Bei ihr kann ich auch meine Geräte laden.

Ja … soviel erstmal zu meiner Familie bzw meinen Familien. Inzwischen hat die Schule begonnen, aber bisher hatte keiner der Lehrer Lust, mit dem Unterricht zu beginnen. Ich muss jeden Tag 45 min laufen, das kann auf die Dauer echt anstrengend sein,
Mein nächster Eintrag wird dem Projekt gewidmet. Und ja, es ist wirklich so: Alle Kinder rennen einem hinterher, rufen „Weiße“ auf Kisii und wollen einen berühren. Das erste Mal, dass ich gefragt werde, ob meine Haare echt sind!
Ich sende liebe Grüße nach Deutschland, ich vermisse euch alle sehr.

5 Kommentare


  1. Hallo Hannah,
    Deine Familie sieht ja total nett aus und hoffentlich kann Dir das über all das von Dir beschriebene Ungewohnte hinweg helfen.
    Echt krass, wo Du gelandet bist.
    Wir freuen uns auf den Bericht vom Projekt und suchen jetzt erst einmal Dein Dorf im Atlas.

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  2. Hallo Hannah, wir kennen aus dem Fitness-Studio von Anne & Uli.
    Meine Tochter Pia ist seit 12.09. auch in Kenia – sie ist die Cousine von Nora, Judith & Aaron Küchler. Ihr kennt euch ja.
    Sie ist in den Nähe von Mombasa, fast am Diani Beach in einem Kindergarten angekommen. Dieser wird von Deutschland aus betreut.
    Hier kannst Du mal reinschauen: http://www.jojoanca.de/index.html
    Bei ihrer Gastfamilie ist es ähnlich wie bei Melanie, schon sehr zivilisiert. Dennoch sind die Eindrücke und Erlebnisse den Deinen sehr ähnlich… überall die Nachfrage u. das Anfassen als „Weiße“, aber es scheint sehr herzlich u. lustig zu sein. Wenn Du mal große Sehnsucht nach der Heimat hat, kannst Du Dich ja mal mit Pia verständigen: Cottbus lässt grüßen! pia.drews@arcor.de
    Eine schöne Zeit wünscht Dir Jana Drews aus CB.

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  3. Liebe Hannah, es ist so schön, deine Berichte zu lesen! Sag mal, was hast du gekocht am letzten Abend im Camp?

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  4. Liebe Hannah,

    uiuiui… 😉

    Wir denken an dich. Hakuna Matata…

    Und vielleicht lassen sie dich auf deine Kosten auch mal ab und zu Reis kochen.

    Alles Liebe,

    deine DFN

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